Fragen und Antworten zum Internationalen Frauentag

I-Ching Wang | Senior Director, Engineering Mehr zu diesem Autor >

Fragen und Antworten zum Internationalen Frauentag

Am 8. März 2019 war der Internationale Frauentag – ein wichtiger Tag für Thales. Es ist ein Anlass, alle die hart arbeitenden Frauen in unserem Unternehmen zu würdigen, aber wir wollen die Gelegenheit auch nutzen, um Frauen weltweit anzuerkennen, die sich für ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter einsetzen. Das diesjährige Motto „Balance for Better“ ist beides, eine Handlungsaufforderung sich für mehr Gleichberechtigung einzusetzen und eine Würdigung dessen, was Frauen bereits erreicht haben. Und das gilt natürlich auch für die Frauen hier bei Thales eSecurity. Deshalb sprechen wir mit I‐Ching Wang, Senior Director of Engineering.

F: Erzähl’ uns ein bisschen über Dich selbst. Was hat Dich auf Deinen Karriereweg und was genau in den Bereich Ingenieurwesen geführt?

A: Ich bin in Taiwan mit zwei jüngeren Brüdern aufgewachsen. Kulturell ist es so, dass ich nicht unbedingt ermutigt wurde, Dinge zu tun, die außerhalb der (für Frauen vorgesehenen) täglichen Routine lagen. Ganz anders war das bei meinen beiden Brüdern. Ihnen wurden praktisch unterbrochen neue Möglichkeiten angeboten. Die meisten Menschen in meiner Umgebung haben mir gegenüber die Haltung vertreten „Wenn sie’s schafft, super. Und wenn nicht, ist es auch ok“. Es war also an mir selbst mich zu motivieren und erfolgreich zu werden. In meinem letzten Collegejahr hatte ich die Möglichkeit, an einem IMB Miniframe-System zu arbeiten und fand mich plötzlich in der Welt der Technologie wieder. Mein Interesse war geweckt, und ich setzte selbst alles daran in die USA zu gehen und in diesem Sektor zu arbeiten. Ich ergatterte meinen ersten Job in einem kleinen Unternehmen, das sich auf Computergrafik spezialisiert hatte, und das brachte mich zu Silicon Graphics Inc. (SGI). Von dort wechselte ich zu Veritas als Technical Director of Software Engineering. Seitdem habe ich einige weitere Positionen bekleidet, alle im Umfeld Ingenieurwesen. Dieser Weg führte mich schließlich zu Thales und in meine jetzige Position.

F: Für Frauen, die eine Karriere in einer der STEM-Branchen in Erwägung ziehen, wie wichtig ist es, Mentorinnen zu haben? Hattest Du selbst eine Mentorin, die Dich dabei unterstützt hat dahin zu kommen, wo Du jetzt bist?

A: Mentoring-Programme und Mentorinnen sind in dieser Branche enorm wichtig. Ich persönlich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich im Laufe meiner Karriere mit einigen großartigen Mentorinnen habe zusammenarbeiten dürfen. Insbesondere bei SGI gab es ein entsprechendes Programm. Ich hatte dort einmal monatlich die Gelegenheit mich mit einem weiblichen VP zusammenzusetzen und die nächsten Ziele für meine Karriere zu planen. Sie war jemand, mit der ich sprechen, und der ich vertrauen konnte. Und sie hat meine Fortschritte über die Jahre hinweg beobachtet und begleitet. In einer meiner weiteren Positionen hatte ich dann selbst als Mentorin Gelegenheit zwei Frauen bei ihrem Weg zu unterstützen und die Dinge weiterzugeben, die ich selbst im Laufe meiner Karriere gelernt hatte. Wir haben uns regelmäßig getroffen und die Herausforderungen diskutiert mit denen sie zu kämpfen hatten. Eine der wichtigsten: Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Glücklicherweise hatte ich genau damit einige Erfahrungen. Ich habe beide Seiten kennengelernt (als Mentorin und als Mentee). Das hat mir gezeigt wie wichtig es ist, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen und wie wertvoll das ist, besonders, wenn man eine Karriere in einer der STEM-Branchen verfolgt.

F: Wie können wir mehr Frauen für eine Karriere in einem STEM-Beruf begeistern?

A: Mädchen haben heute sehr viele Chancen in die Bereiche Programmieren, Ingenieurwesen und angrenzende Felder einzusteigen. Aber wir müssen Umgebungen schaffen, in denen diese Möglichkeiten klarer ersichtlich sind. Wenn Mädchen gelobt werden, für das was sie in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern erreichen, werden sie diesen Weg vermutlich weiter verfolgen. Wenn Pädagogen und Arbeitgeber allerdings entmutigt werden, dann enden die Ambitionen für eine STEM-Karriere vermutlich bereits hier. Unsere Aufgabe ist es, Mädchen zu ermutigen, dass sie in diesen Feldern weiterkommen, und sie zu unterstützen „dran“ zu bleiben. Grundsätzlich muss sich allerdings auch die Unternehmenskultur wandeln. Das wird nicht über Nacht passieren. Deshalb müssen junge Mädchen mehr Frauen an Top-Universitäten wie der Carnegie Mellon und dem MIT, und in Führungspositionen bei Unternehmen wie Google oder Facebook sehen. Sie müssen ein Gefühl dafür bekommen, dass es hier wirklich einen Platz für sie gibt.

F: Welchen Rat, welche Empfehlungen würdest Du Frauen geben, die in einer der STEM-Branchen Karriere machen wollen?

A: Meine Tochter ist Anwältin und hat gerade einen Job im öffentlichen Dienst angetreten. Etwas, das ich ihr immer versucht habe zu vermitteln ist, wie wichtig es ist, sich Gruppen von Frauen mit denselben Interessen zu suchen und sich gegenseitig zu unterstützen. Das gilt auch für andere Industriezweige. Mit Frauen zusammenzuarbeiten, die ähnliche Interessen vertreten und eine Mentorin finden, die einem hilft in diesem Feld zu navigieren. Einen anderen Rat, den ich gerade Frauen mitgeben will, die sich eine Karriere in einer STEM-Branche versprechen: keine Angst davor zu haben, sichtbar zu werden. Man muss nur an die Mehrzahl der großen Technologieevents denken. Es kann durchaus irritierend sein, sich in einer vornehmlich von Männern dominierten Welt wiederzufinden. Ein anderes Beispiel. Wenn ich mich bei einer der dortigen Diskussionsrunden zu Wort melde, bekomme ich immer noch nicht dieselbe Aufmerksamkeit, die ein Mann bekommt. Frauen sollten nicht zögern, die Hand noch höher zu heben und sich zu behaupten.